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Erinnerungen an die Aktion Maulbeerbaum1990 hat die IGB unter der Leitung von Forst- Ing. Christian Küchli die Aktion "Der schwarze Maulbeerbaum – die alte Kulturpflanze – verdient eine Renaissance", gestartet. Zu dieser Zeit waren im Seeland nur noch wenige, altersschwache Exemplare vorhanden; die Species drohte auszusterben. Dabei ist dieser Baum doch eng mit der Kulturgeschichte unserer Region verbunden, da vermutet werden kann, dass er – gleich wie die Edelkastanie – im Mittelalter durch die Cluniacensermönche ins Seeland gebracht worden ist. Der Aktion war ein voller Erfolg beschieden, wie im Jahresbericht 1992/93 zu lesen ist: In der Baumschule von Dach in Lyss angezogen, auf dem Holz des alten Vingelzer-Maulbeerbaumes veredelt, fanden mehr als 40 Jungpflanzen in Gärten und Hofstätten rings um den See ihre neue Heimat. Heute sind sie zu stattlichen Bäumchen angewachsen, tragen im Sommer ihre dunkelroten, saftigen Früchte und sind zu Garanten für den Fortbestand der bedrohten Pflanzenspecies geworden. Eine ähnliche, aber bedeutend umfangreichere Aktion Maulbeerbaum hat vor bald 250 Jahren in unserer Region stattgefunden. Darauf hat uns unser langjähriges Mitglied, Dr. André Neuhaus in Biel, aufmerksam gemacht. Im Archiv der alteingesessenen Familie Neuhaus ist er auf ein Dokument eines Vorfahren, Dr. med. Johann Rudolf Neuhaus gestossen, der 1761 die Oekonomische Gesellschaft in Biel gründen half. Die Oe.G. Biel war eine Sektion der Berner Oe.G., die sich speziell mit Fragen der Landwirtschaft beschäftigte und in ihrer Mitgliederliste illustre Namen aufwies. Eines der Hauptmotive für die Gründung der Bieler- Oe.G. war die Absicht, die SEIDENRAUPENZUCHT anzusiedeln, um der Stadt zu einer neuen Industrie zu verhelfen. Dazu lesen wir im Stadtgeschichtlichen Lexikon: "... im Laufe der Jahre wurden über 6000 Maulbeerbäume von Vevey und Oberitalien bezogen und im Pasquart, im Beaumont und in der Champagne angepflanzt. Der heute noch bestehende Flurname SYDEBUS geht auf jene Anpflanzung am Berg zurück. Die Pflege der Maulbeerbäume und die Aufzucht der Seidenraupen erforderten beträchtliche Finanzmittel, die durch Aktien aufgebracht wurden. 1763 übernahm Rodolph de Vautravers (der damals das Rockhall kaufte) den Vorsitz der Oe.G. und spendete selbst die Mittel zur Ausschreibung von Preisaufgaben. Die Maulbeerpflanzungen zur Ermöglichung der Seidenraupenzucht endeten jedoch mit einem völligen Misserfolg. Der 1779 eintretende Konkurs des Herrn von Vautravers führte 1782 zur endgültigen Liquidation der Oe.G. Biels." (Sie ist später in der Gemeinnützigen Gesellschaft reaktiviert worden.)
Zu ergänzen ist, dass es sich bei der Seidenraupenzucht um den weissen Maulbeerbaum, eine Sub-Species des Schwarzen Maulberbaumes, handelt, der weichere Blätter und weisse Früchte trägt. |